INSPIRE

COM(2025) 985
Die Europäische Kommission hat den Vorschlag zur Vereinfachung der INSPIRE-Richtlinie als Teil eines Umwelt-Vereinfachungs-Omnibus (nicht des Digital Omnibus) verabschiedet. Es handelt sich um einen separaten, sektorspezifischen Omnibus-Zweig - das ist die erste wichtige Einordnung.

Der Vorschlag verfolgt das Ziel, die INSPIRE-Richtlinie (2007/2/EG) zu vereinfachen, indem Anforderungen gestrichen oder angepasst werden, die sich als übermäßig präskriptiv oder duplikativ erwiesen haben - ohne die wesentlichen Ziele der Zugänglichkeit, Qualität und Interoperabilität von Geodaten zu beeinträchtigen. Konkret soll u.a. die Pflicht der Kommission, ein INSPIRE-Geoportal zu betreiben, entfallen, und die Meldepflichten der Mitgliedstaaten sollen mit anderen Berichtspflichten zusammengeführt werden.

Hinweis: COM(2025) 985 befindet sich noch im EU-Gesetzgebungsverfahren und ist noch nicht in Kraft getreten. Die bestehenden INSPIRE-Pflichten gemäß Richtlinie 2007/2/EG bleiben bis zum Abschluss des Verfahrens vollumfänglich bestehen.



Stand 16.10.2026:

Die INSPIRE-Vereinfachung ist der Vorschlag COM(2025) 985 final - die Richtlinie zur Änderung der Richtlinie 2007/2/EG, vorgelegt von der Kommission am 10. Dezember 2025 als Teil des Umwelt-Omnibus-Pakets (COM(2025) 980-986) und rechtliche Komponente der Initiative GreenData4All.

Verfahrensstand (ordentliches Gesetzgebungsverfahren):

  • Europäisches Parlament: mit dem Vorschlag befasst seit 17. Dezember 2025. Zuständig ist die Fachkommission/der Ausschuss für Umweltfragen (ENVI). Das federführende Umweltausschuss (ENVI) hat seinen Bericht am 10.09.2026 mit 58:9:3 Stimmen angenommen (Berichterstatterin Emma Wiesner, Renew). Das Plenum hat am 06.10.2026 seine Position in erster Lesung mit 515:108:35 Stimmen beschlossen. Damit kann das Parlament in Verhandlungen mit dem Rat eintreten.
  • Rat der EU: förmlich befasst seit 20. März 2026. Am 24. Juni 2026 zu drei der sechs Dossiers beschlossen (Vereinfachungs-Verordnung, Vereinfachungs-Richtlinie, INSPIRE). Die Umweltprüfungs-Verordnung (RSEA) ist noch offen, die beiden EPR-Vorschläge wurden nicht weiterverfolgt.“ Die Ratsmitteilung vom 24.06.2026 nennt genau diese drei - darunter ausdrücklich Geodaten (INSPIRE, COM(2025) 985) sowie Umweltprüfungen, Industrieemissionen und Abfallberichterstattung. Dieses Mandat bildet die Ratsposition für die anstehenden Triloge mit Parlament und Kommission.
  • Nach Vorliegen des Rats-Verhandlungsmandats vom 24.06.2026 (für 4 von 6 Dossiers, darunter Geodaten) sind die Triloge mit Parlament und Kommission ab diesem Zeitpunkt möglich bzw. haben ggf. bereits begonnen - der aktuelle Stand sollte gezielt nachgeprüft werden (Stand 16.10.2026) - anders als etwa beim KI-Omnibus (dort: Ratsposition 13. März, Trilog-Einigung 7. Mai, EP-Billigung 16. Juni, Rats-Annahme 29. Juni 2026) gibt es für die INSPIRE-Novelle keine vergleichbaren Meilensteine.
  • Ausschuss der Regionen (AdR): hat am 7. Mai 2026 seine - unverbindliche, aber politisch gewichtete - Stellungnahme verabschiedet. Der letzte Schritt ist der Parlamentsbeschluss vom 06.10.2026. Dazwischen liegen die Ratsposition vom 24.06.2026 und der ENVI-Beschluss vom 10.09.2026.

Zum Vergleich, was im Vorschlag selbst als Zieltermin steht: Die Kommission hat für einzelne Artikel (Art. 1 Nrn. 5, 9, 10, 11) eine Anwendbarkeit ab dem 1. März 2027 vorgeschlagen - das ist aber nur der Kommissionsentwurf, noch nicht das Verhandlungsergebnis.

Was davon unabhängig bereits läuft

Zwei operative Schritte sind unabhängig vom Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens bereits vollzogen:

  • Der INSPIRE Reference Validator wurde zum 1. April 2026 eingestellt.
  • Wie in unserem „Regulatorischen Rahmen"-Dokument vermerkt, sind INSPIRE-Geoportal und -Registry zum 1. Juli 2026 abgeschaltet worden - das ist inzwischen eingetreten (Stand 16.10.2026).

Der Transformationsansatz sichert gleichzeitig die HVD-Compliance gemäß Verordnung (EU) 2023/138, die Interoperabilität im Green Deal Data Space und die KI-Readiness der Datenstrukturen.

Regulatorische Treiber

  • COM(2025) 985: Aufhebung der INSPIRE-Geoportal-Pflicht, Streichung duplikativer Interoperabilitätsermächtigungen
  • Digital Omnibus (COM 837): Open-Data-RL wird in Data Act überführt (Vorschlag) - INSPIRE-Datenteilung wird damit durch horizontale Regeln abgedeckt
  • HVD-VO (EU) 2023/138: „Durchführungsverordnung (EU) 2023/138 der Kommission vom 21.12.2022 (hochwertige Datensätze), anwendbar seit 09.06.2024. Die Bereitstellung über APIs gilt für alle Kategorien. Ein Bulk-Download ist nur dort vorgeschrieben, wo der Anhang ihn ausweist.“ Das Anwendungsdatum habe ich aus Inkrafttreten plus 16 Monate berechnet. Es steht nicht ausdrücklich in dem Text, den ich abrufen konnte.
  • KI-Omnibus (COM 836): „KI-Omnibus: Verordnung (EU) 2026/1744 (Veröffentlichung im Amtsblatt 24.07.2026, in Kraft seit 27.07.2026).“ Der Digital-Omnibus zu Daten (COM(2025) 837, mit der Überführung der Open-Data-Richtlinie in den Data Act) ist dagegen noch nicht verabschiedet.

Ausgangslage in den Bundesländern

Technische Bestandsaufnahme

Die 16 deutschen Bundesländer haben seit 2007 umfangreiche INSPIRE-Infrastrukturen aufgebaut. Diese basieren auf einem Technologiestack, der heute mehrfach Limitierungen zeigt:

Komponente Stand Problematik
Datenformat GML 3.2 / GML 3.1 (XML-basiert) Schwergewichtige Strukturen, schlechte Lesbarkeit für KI-Systeme
Metadaten ISO 19115 / CSW 2.0.2 Veraltetes Protokoll, kein REST, keine JSON-API
Dienste WMS 1.1/1.3, WFS 2.0, WCS SOAP/XML-lastig, kein natives HTTP-Caching
Geoportal Nationale/länderspezifische INSPIRE-Portale COM(2025) 985 streicht Kommissions-Geoportal-Pflicht
Interoperabilität INSPIRE-Implementierungsregeln (Reg. 1089/2010) Wird durch HVD-VO und Data Act abgelöst
Datenzugang Meist über Download-Dienste (Atom/WFS) Kein STAC, kein OGC API, kein Bulk-JSON

Themenrelevante INSPIRE-Annex-Datensätze

Für z. B. den Hochwasserschutz und die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind folgende INSPIRE-Themen besonders relevant:

  • Annex I: Gewässernetz (Hydrography), Schutzgebiete, Verwaltungseinheiten
  • Annex III: Gewässerkunde (Hydrological Geography), Naturgefährdungszonen, Boden, Bodennutzung
  • Querschnittlich: Umweltüberwachungsdaten (EF), Beobachtungsdaten (OF&E)

Diese Datensätze fallen gleichzeitig unter die HVD-Kategorien „Geodaten“ (Anh. I, Nr. 2) der Verordnung (EU) 2023/138 und unterliegen damit den API-Pflichten der HVD-VO.

Zielarchitektur: Geodatenstandards

Überblick der Zielformate und -protokolle

Standard Beschreibung INSPIRE-Äquivalent
GeoJSON (RFC 7946) Leichtgewichtiges JSON-Vektorformat; native Browser-/JS-Unterstützung WFS / GML-Download
OGC API Features (Part 1-4) RESTful HTTP-API für Vektordaten; JSON/HTML-Ausgabe WFS 2.0
OGC API Records Metadaten-API im JSON-Format; ersetzt CSW CSW 2.0.2
OGC API Tiles Vektorkacheln (MVT) und Rasterkacheln über REST WMTS
SensorThings API (OGC) Echtzeitdaten und Zeitreihen; JSON-basiert WCS / SOS
STAC (Spatio-Temporal Asset Catalog) Katalogstandard für räumlich-zeitliche Assets (Fernerkundung) Kein INSPIRE-Äquivalent
Cloud Optimized GeoTIFF (COG) Rasterdaten für Streaming und Range Requests WCS-Download
FlatGeobuf Binäres Vektorformat; hochperformant für Bulk-Downloads Atom-Download / WFS-Bulk

Anforderungen aus HVD-Verordnung (EU) 2023/138

Die HVD-VO stellt konkrete technische Anforderungen, die mit OGC-Standards erfüllbar sind:

HVD-Anforderung (Art. 3–5) Technische Umsetzung
API-basierter Datenzugang OGC API Features / OGC API Records
Bulk-Download-Möglichkeit FlatGeobuf, GeoPackage, GeoJSON-Dump via STAC
Maschinenlesbare Metadaten OGC API Records, DCAT-AP 3.0, GeoJSON-LD
Offene Lizenz ohne Beschränkungen CC0 / CC BY 4.0 als SPDX-Lizenzkennzeichnung
Kostenfreier Zugang Zugangskontrolle nur für sensible Daten (Art. 13 INSPIRE)
Hochverfügbarkeit und Monitoring API-Gateway mit SLA-Monitoring, OpenAPI 3.1 Spec

Dreistufiger Migrationspfad

Stufe 1: Transkodierung - GML zu GeoJSON (Kurzfristig, 0–12 Monate)

Die erste Stufe setzt auf minimale Infrastrukturanpassungen durch automatisierte Format-Konvertierung bestehender INSPIRE-Datenquellen:

Technische Kernwerkzeuge

  • GDAL/OGR (ogr2ogr): Standardwerkzeug für GML-zu-GeoJSON-Konvertierung; unterstützt alle INSPIRE-GML-Schemata
  • GeoServer / QGIS Server: WFS-Dienste können GeoJSON als Ausgabeformat nativ bereitstellen (outputFormat=application/json)
  • pygeoapi: Python-basierte OGC-API-Features-Referenzimplementierung; INSPIRE-Daten per YAML-Konfiguration einbindbar
  • ldproxy: Java-basierter OGC-API-Features-Proxy; transformiert WFS 2.0 in OGC API Features on-the-fly

Konvertierungslogik: GML-Komplextypen

Eine zentrale Herausforderung ist die Abflachung von INSPIRE-spezifischen GML-Komplextypen in flache GeoJSON-Strukturen:

Beispiel: Hydrography – WatercourseLink (INSPIRE) --> GeoJSON
GML-Original: 1234.5
...
GeoJSON-Ziel: { "type": "Feature", "id": "watercourselink.1",
"properties": { "length": 1234.5, "length_uom": "m", "startNode": "...",
"endNode": "...", "flowDirection": "inDirection" },
"geometry": { "type": "LineString", "coordinates": [...] } }
Mapping-Regel: Einheiten (uom) als separate Property; xlink:href als URI-String; CodeList-Werte als ISO-19135-URI

Qualitätssicherung Stufe 1

  • Schema-Validierung mit INSPIRE Validator (ETF-Framework) vor und nach Konvertierung
  • Geometrische Integritätsprüfung: Topologie, CRS-Transformation (ETRS89/UTM -->WGS84 für GeoJSON, Rückrichtung optional)
  • Attributvollständigkeit: Pflichtattribute gemäß INSPIRE-Datenschemata (z. B. localId, namespace, beginLifespanVersion)

Stufe 2: API-Modernisierung - OGC API Features (Mittelfristig, 12–24 Monate)

Stufe 2 ersetzt den WFS-2.0-Stack durch eine vollständige OGC-API-Features-Implementierung und bindet die Metadatenverwaltung über OGC API Records an.

Architekturkomponenten

Komponente mögliche Lösung / Standard
Feature-API (Kern) pygeoapi 0.18+ oder ldproxy 4.x (beide OGC-konform zertifiziert)
Metadaten-API OGC API Records (Part 1) mit DCAT-AP 3.0-Mapping
Katalog-Endpunkt GeoNetwork 4.x (CSW+OGC API Records hybrid) oder pycsw 3.x
Tile-Dienste pg_tileserv (PostGIS-basiert) oder MapLibre GL- kompatibler Tile-Server
Echtzeitdaten SensorThings API v1.1 (FROST- Server); für Pegeldaten/Sensormesswerte
API-Gateway Kong oder Traefik; OAuth2/OIDC für geschützte Datenbereiche
Dokumentation OpenAPI 3.1 Spec; automatisch generiert durch OGC-API-Implementierungen

Datenbankschicht: PostGIS als Fundament

Für leistungsfähige OGC-API-Implementierungen empfiehlt sich (z. B.) PostgreSQL/PostGIS als zentrales Geodatenbanksystem:

  • GML- Daten via ogr2ogr direkt in PostGIS importieren (ogr2ogr -f PostgreSQL)
  • Spatial Indexing: GIST-Indizes für geometrische Abfragen; BRIN für Zeitreihendaten
  • Materialized Views für häufig abgefragte INSPIRE-Konformitaetssichten
  • pg_partman für Zeitreihentabellen (Beobachtungsdaten, Pegelmesswerte)

OGC API Features: Endpunkt-Struktur

Beispiel: Endpunkt-Struktur für Gewässerdaten
GET /ogcapi/ --> Landing Page (JSON/HTML)
GET /ogcapi/conformance -->Conformance Classes
GET /ogcapi/collections -->Liste aller Feature Collections
GET /ogcapi/collections/gewaesser -->Collection Metadata (DCAT-AP-kompatibel)
GET /ogcapi/collections/gewaesser/items -->GeoJSON Feature Collection
GET /ogcapi/collections/gewaesser/items/{id} -->Einzelnes Feature
GET /ogcapi/collections/pegelstationen/items?bbox=7.5,49.5,8.2,50.1 -->Spatial Query
GET /ogcapi/collections/pegelstationen/items?datetime=2025-01-01/.. -->Temporal Query

Stufe 3: Datensouveränität und KI-Readiness (Langfristig, 24–48 Monate)

Stufe 3 adressiert die strategische Ebene: Geodaten werden nicht nur zugänglich, sondern auch KI-ready, souverän verwaltbar und in europäische Datenräume integrierbar.

Linked Data und semantische Interoperabilität

  • GeoJSON-LD: Ergänzung von GeoJSON mit JSON-LD-Context für maschinenlesbare Semantik (INSPIRE-Ontologien als RDF)
  • SPARQL-Endpunkt: Integration von Geodaten in Knowledge Graphs (z. B. über Apache Jena Fuseki)
  • EU Knowledge Graph: Anknüpfung an Eurostat, Copernicus, Destination Earth Knoten

STAC für Fernerkundungs- und Zeitreihendaten

  • STAC API 1.0.0 als Katalogstruktur für Rasterdaten (Sentinel, DGM, Luftbilder)
  • Cloud Optimized GeoTIFF (COG) für streaming-fähigen Rasterzugriff ohne Download
  • STAC Extensions: EO (Earth Observation), Timestamps, Projection für INSPIRE-kompatible Metadaten

Datenraum-Integration (GAIA-X / MDS)

  • IDS-konformer Datentreuhänder für sensible Umweltdaten (Hochwasserkarten, Schutzgebiete)
  • IDSA Connector (Eclipse Dataspace Components) als technische Grundlage
  • Anbindung an Mobility Data Space (MDS) und Green Deal Data Space
  • Katalogeintrag im europäischen Datenkatalog data.europa.eu über DCAT-AP 3.0

Bundesländer-spezifische Handlungsempfehlungen

Koordinationsrahmen

Die Migration sollte nicht 16-mal unabhängig voneinander durchgeführt werden. Folgende Koordinierungsebenen existieren:

Ebene Zuständigkeit / Empfehlung
Bund (BKG) Zentrale OGC-API-Referenzimplementierung; gemeinsame DCAT-AP-Profile; nationale Bulk-Download-Plattform
Ländergemeinschaft (AdV) Einheitliche GeoJSON-Schemata pro INSPIRE-Theme; gemeinsame PostGIS-Vorlagen; Test-Suite
FITKO / GovStack API-Gateway-Standards für öffentliche Verwaltung; OAuth2-Profil für Geodaten-APIs
Einzelbundesland Lokale PostGIS-Instanz; OGC-API-Features-Endpunkt; Migrationszeitplan nach eigenem Tempo

Priorisierung nach Datenkategorien

Nicht alle INSPIRE-Datensätze müssen gleichzeitig migriert werden. Folgende Priorisierung empfiehlt sich:

Produkt INSPIRE-Thema Begründung
Hoch (sofort) Gewässernetz (Hydrography) HVD-Pflicht; Hochwasserschutz; WRRL-Reporting
Hoch (sofort) Naturgefährdungszonen HVD-Pflicht; EU-Floods-Directive
Hoch (sofort) Verwaltungseinheiten, Adressen HVD-Pflicht (Kategorie: Geodaten)
Mittel (12 Mo.) Boden, Bodennutzung, Schutzgebiete Green Deal Data Space; LULUCF-Reporting
Mittel (12 Mo.) Umweltüberwachung (EF) E-PRTR; Reporting-Vereinfachung durch COM(2025) 985
Niedrig (24 Mo.) Statistische Einheiten, Verkehrsnetze Geringerer Handlungsdruck; existierende Lösungen

Rechtlicher Rahmen und Compliance

Auswirkungen von COM(2025) 985 auf Umsetzungspflichten

COM(2025) 985 streicht mehrere INSPIRE-Pflichten, die bisherige Compliance-Aufwendungen verursacht haben:

Gestrichene Pflicht Entfällt als Referenzendpunkt; eigene Portale/APIs treten an die Stelle
Betrieb eines INSPIRE-Geoportals durch EU-Kommission Entfällt als Referenzendpunkt; eigene Portale/APIs treten an die Stelle
Separate Datenteilungsvorschriften (INSPIRE Art. 17) Das beschreibt nur den Kommissionsentwurf. Der Rat will den Datenaustausch zwischen Behörden und Mindestanforderungen an die Interoperabilität wieder einführen. Das Parlament will die Kernpunkte der Art. 6–12 und 17 behalten: offene Standards (ISO, OGC), einen verschlankten Netzwerk-Dienst, den Datenaustausch zwischen Behörden und freiwillige Beiträge Dritter. Beide Organe wollen einschränkende Zugangsgründe auf „notwendig und verhältnismäßig“ begrenzen. Die Tabelle sollte deshalb drei Spalten haben: Kommissionsvorschlag, Ratsposition, Parlamentsposition. Der Hinweis „kein Mehraufwand mehr“ ist zu streichen. Die Migrationsplanung sollte nicht darauf bauen, dass die Interoperabilitätsvorgaben wegfallen.
Interoperabilitäts-Implementing Rules (Reg. 1089/2010) Wird durch HVD-VO API-Pflichten ersetzt; technische Spezifikationen vereinfacht
Monitoring & Reporting (Implementing Decision 2019/1372) Wird an EU-Umweltberichtspflichten angeglichen; Frequenz reduziert

Fortbestehende Pflichten

  • HVD-VO (EU) 2023/138: API- und Bulk-Download-Pflicht für räumliche Datensätze (direkt anwendbar)
  • INSPIRE-Kernpflichten: Metadaten, Netzdienste (bis Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens zu COM(2025) 985)
  • Umweltinformationsgesetz (UIG) / Directive 2003/4/EC: Aktiver Datenzugang bleibt Pflicht
  • DSGVO / BDSG: Keine Änderung für personenbezogene Geodaten (z. B. Katasterdaten)

KI-Reallabor-Kontext: Besonderheiten

Für den Betrieb eines KI-Reallabors (Art. 57–63 EU AI Act) mit Geodaten-Komponenten gelten zusätzliche Anforderungen:

  • Trainingsdatendokumentation: GeoJSON-Datensätze müssen mit Data Cards (Herkunft, Qualität, Lizenz) versehen werden
  • Datengouvernanz: IDS-konformer Datentreuhänder für den Datenaustausch zwischen BfG, Bundesländern und KI-Modellen
  • Hochrisiko-KI: Anhang III Nr. 2 erfasst nur KI-Systeme, die als Sicherheitsbauteile bei der Verwaltung und dem Betrieb kritischer digitaler Infrastruktur, des Straßenverkehrs oder der Wasser-, Gas-, Wärme- oder Stromversorgung eingesetzt werden. Vorschlag: „Hochwasservorhersagemodelle können unter Anhang III Nr. 2 fallen, wenn sie als Sicherheitsbauteil in der Wasserversorgung oder einer anderen dort genannten Infrastruktur eingesetzt werden. Das ist im Einzelfall zu prüfen.“ - Datendokumentation ist Compliance-Pflicht

Implementierungsplan

Meilenstein-Übersicht

Zeitraum Meilenstein Zuständig
M 1–3 Bestandsaufnahme: Inventar aller INSPIRE- Dienste und -Datensätze je Bundesland Landesvermessungsämter / GDZ
M 3–6 Pilotprojekt: GeoJSON-Migration für HVD-Pflichtdatensätze (Gewässernetz, Adressen) BKG + 2-3 Pilotländer
M 6–12 OGC API Features Deployment: pygeoapi/ldproxy-Instanzen je Bundesland Alle Bundesländer (AdV-Koordination)
M 12–18 OGC API Records: Metadaten-Migration von CSW zu JSON-basiertem Katalog GovData.de / mCLOUD
M 18–24 STAC-Katalog für Raster- und Zeitreihendaten; SensorThings API für Pegeldaten BfG + Bundesländer
M 24–36 Datenraum-Integration: IDS-Connector, GAIA-X-Anbindung, Linked Data FITKO + strategische Partner
M 36–48 Vollständige HVD-Compliance und INSPIRE-Post-COM(2025)985-Konformität Alle Ebenen

Fazit

COM(2025) 985 ist kein Anlass zur Verunsicherung, sondern eine Chance zur Überholung veralteter Infrastrukturen. Der dreistufige Migrationspfad GML à GeoJSON à OGC API à Datenraum ermöglicht es den Bundesländern, INSPIRE-Compliance mit HVD-Pflichten und KI-Readiness in einem integrierten Ansatz zu verbinden.

Die Investition in moderne Geodatenstandards zahlt sich dreifach aus: regulatorisch (HVD-Compliance), operativ (Kostensenkung) und strategisch (KI-Grundlage für Klimaanpassung).