Blaupause für ein übergreifendes KI-Reallabor im Hochschulbereich
Deutschland will eine "KI-Nation" werden und hat seit Einführung einer nationalen KI-Strategie 2018 seine Investitionen in KI erheblich gesteigert. Das BMBFTR investiert in KI-Kompetenzzentren und Hochleistungsrecheninfrastruktur. Rheinland-Pfalz hat eine "KI-Agenda" und Initiative "KI-Lotsen" ins Leben gerufen, die akademische Expertise mit praktischen Anwendungen verbindet. Diese Initiativen zeigen grundsätzliches Engagement für die Entwicklung und Anwendung von KI im Land.
Abb.: Blaupause KI-Reallabor im Hochschulbereich, eigene Darstellung (CC-BY-SA-4.0)
Die Umsetzung der EU-KI-Verordnung und die Etablierung eines KI-Reallabors im Hochschulbereich sind für Rheinland-Pfalz eine strategische Notwendigkeit, um die Position als Innovationsstandort zu festigen ----> Einfluss Harmonisierungsinitiative
Empfehlungen für den Transformationsprozess (Kernmaßnahmen):
- Aufbau von Regulierungs-Sandboxes: Das KI-Reallabor sollte als enger Partner einer nationalen Sandbox fungieren, um insbesondere Hochrisiko-KI-Systeme aus dem akademischen und öffentlichen Sektor in einer sicheren Umgebung zu testen. Dies ermöglicht ein wichtiges „Regulierungs-Lernen“ vor der Markteinführung.
- Stärkung der Behörden und Kompetenzaufbau: Die bis August 2025 zu benennenden Behörden müssen mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet werden. Das Reallabor soll hierbei eine Schlüsselrolle übernehmen, indem es spezialisierte Schulungsprogramme für das Personal der Regulierungsbehörden entwickelt und so die Brücke zwischen Forschung und Regulierung schlägt.
- Datenmanagement und Interoperabilität: Eine robuste Strategie für Open Data ist essenziell, wobei Datenschutz durch Technologien wie Anonymisierung oder Federated Learning gewahrt werden muss. Die Nutzung des Standards DCAT-AP.de soll die Auffindbarkeit von Forschungsdaten verbessern, während Open Source Software als strategischer Vorteil für Transparenz und Kollaboration gefördert werden sollte.
- Überwindung institutioneller Hürden: Durch gezielte Schulungen für Lehrende und Mitarbeiter:innen des öffentlichen Sektors sollen Bedenken hinsichtlich Datenschutz oder Voreingenommenheit (Bias) abgebaut werden. Die Integration von KI-Kompetenz in akademische Kriterien und die Akquise von Fördermitteln sind für die langfristige Nachhaltigkeit entscheidend.
Durch diese Maßnahmen kann Rheinland-Pfalz eine zentrale für vertrauenswürdige, menschenzentrierte KI einnehmen und den Transfer von akademischem Wissen in die Praxis beschleunigen.
Ein KI-Reallabor fungiert dabei wie ein hochmodernes Testgelände für neue Fahrzeugtypen: Bevor diese für den allgemeinen Straßenverkehr (den Markt) zugelassen werden, können sie hier unter Aufsicht von Experten auf ihre Sicherheit und Regelkonformität geprüft werden, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden.