Problemlagen, Lösungsansätze

In KI-Reallaboren arbeiten verschiedene Akteur:innen zusammen, um anwendbare und wissenschaftlich fundierte Lösungen für KI-Nachhaltigkeitsprobleme zu erarbeiten und wissenschaftliche Erkenntnisse zu erzielen. Diese Zusammenarbeit und -absprache definiert die Forschung in Reallaboren.
Hierzu zählt zunächst die gemeinsame Gestaltung des KI-Reallabors. Gleichzeitig betrifft dies die gemeinsame Erarbeitung von Lösungsvorschlägen sowie die Umsetzung von Experimenten. Dabei wird Wissen aus verschiedenen Disziplinen und Erfahrungswissen verbunden.

Künstliche Intelligenz (KI) ist so zu entwickeln und einzusetzen, dass sie nachhaltig ist. Das bedeutet, dass KI nicht nur ökologische Aspekte berücksichtigt, sondern auch soziale, wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen mit einbezieht.


Übersicht KI- und Digitalstrategien

16 Bundesländer:

Das Phänomen der „Parallelstrukturen“ ist ein zentrales Hemmnis für die digitale Souveränität Deutschlands. Die Fragmentierung zwischen dem Bund und den 16 Bundesländern sowie zwischen verschiedenen Ressorts führt oft dazu, dass Datenressourcen und KI-Potenziale ungenutzt bleiben und Nachhaltigkeit nicht erreicht wird.

Zusammenstellung der Anwendungen (Beispiele), die für eine effizientere Infrastruktur zusammengeführt bzw. besser vernetzt werden sollten:

Analyse der Fragmentierung im föderalen System

Die Zersplitterung lässt sich in drei Dimensionen unterteilen:

  1. Vertikale Fragmentierung: Bund und Länder entwickeln eigene Lösungen ohne Abstimmung (z. B. Lernplattformen).
  2. Horizontale Fragmentierung: Verschiedene Ministerien (Ressorts) bauen isolierte Datenräume auf.
  3. Technische Fragmentierung: Fehlende semantische Interoperabilität verhindert, dass Systeme wie das Dashboard Digitale Verwaltung und Daseen miteinander „sprechen“ können.

Zusammenführung von Anwendungen und Infrastrukturen

Die folgende Tabelle zeigt konkrete Ansätze, wie isolierte Initiativen vernetzt werden können, um Synergien bei der Ressourcenallokation und Interoperabilität zu heben.

Bereich Zu vernetzende Anwendungen / Initiativen Maßnahmen zur Zusammenführung Ziel der Interoperabilität
Daten-Entdeckung und Verwaltung Dashboard Digitale Verwaltung (BMDS) <-> Daseen (Mission KI) Implementierung bidirektionaler APIs; Verknüpfung von OZG-Kennzahlen mit verfügbaren Datensätzen. Durchgängige Sichtbarkeit von Daten für KI-Anwendungen in der Verwaltung.
Digitale Bildung KI-Campus <-> eGov-Campus <-> VCRP (RLP) & weitere Landesportale Aufbau eines föderalen Single-Sign-On (SSO) und Austausch von Lernmodulen via LTI-Standard. Reduzierung von Dopplungen bei der Content-Erstellung; breiterer Zugang für Verwaltung und Studierende.
Verwaltungsdaten PVOG (Portalverbund) <-> Daseen <-> GovData.de Automatisierter Metadaten-Abgleich; Kennzeichnung von Verwaltungsdaten mit OZG-Referenz-IDs. Einheitliche Suche über alle Verwaltungsebenen hinweg ohne manuelle Dateneingabe.
KI-Infrastruktur Rechenzentren der Länder <-> Bundes-Cloud-Lösungen Etablierung gemeinsamer Standards für GPU-Cluster-Sharing und Container-Orchestrierung. Optimale Auslastung teurer Hardware-Ressourcen für KI-Training.
Smart City / Klima Urban Data Platforms der Kommunen <-> Bundesweite Klimadaten-Plattformen Nutzung des DIN-Standards (z.B. DIN 91357) für urbane Datenplattformen. Skalierbarkeit von KI-Modellen für die Stadtplanung über Gemeindegrenzen hinweg.

Wege zur praktischen Umsetzung

Um diese Synergien zu realisieren, müssen über die rein technische Ebene hinaus agile Projektstrukturen geschaffen werden:

  • Interoperabilität durch Standards: Anstatt individuelle Schnittstellen zu bauen, müssen verbindliche Standards (wie XPlanung im Bauwesen oder einheitliche Metadatenprofile für KI) definiert werden.
  • Gemeinsame Ressourcenallokation: Einrichtung eines föderalen „Digitalbudgets“, das Projekte nur dann fördert, wenn sie nachweislich Schnittstellen zu bestehenden Infrastrukturen (wie Daseen, GovData) bereitstellen.
  • Agile Governance: Schaffung von „Inter-Ressort-Taskforces“, die nicht nur strategisch beraten, sondern operativ die Verknüpfung von Dashboards und Datenbanken vorantreiben.

Beispiel für den Mehrwert: Wenn ein Mitarbeiter der Verwaltung im Dashboard sieht, dass die Umsetzung einer OZG-Leistung (z. B. Wohngeld) stockt, könnte ein Direkt-Link zu Daseen sofort die notwendigen Trainingsdaten für eine KI-gestützte Teilautomatisierung liefern.

 


Wie lassen sich dynamische, noch nicht gültige Rechtsrahmen in die operative Projektplanung integrieren, ohne entweder voreilig zu handeln oder reaktiv in Verzug zu geraten?

Im Projektmanagement für ein KI-Reallabor konstituiert ein Backlog ein essenzielles Instrument, um den Fortschritt eines Projekts zu dokumentieren und zu überwachen. Es erlaubt den beteiligten Personen/Arbeitsgruppen, sämtliche zu bewältigenden Aufgaben zu dokumentieren und diese nach dem Grad der Dringlichkeit zu strukturieren. Durch kontinuierliche Pflege und Aktualisierung des Backlogs kann die zeitnahe Erledigung der Arbeit gewährleistet werden.


Die Omnibus-Akte werden als Overlay behandelt: Sie modifizieren bestehende Items, generieren aber selten völlig neue. Im Backlog erhalten betroffene Items eine Markierung omnibus-sensitive, die signalisiert, dass bei Verabschiedung der Harmonisierungsakte eine Überprüfung erforderlich ist.


Fristenkaskade für das KI-Reallabor-Backlog

Übersicht der Konsultations- und Feedback-Fristen

Rechtsakt / Instrument Feedback-Frist Status
Sandbox-Durchführungsakt 13. Januar 2026 laufend
Digital Omnibus (inkl. KI-Omnibus) 22. Februar 2026 laufend
Digital Fitness Check 11./16. März 2026 laufend

Vereinfachungsagenda  der EU-COM für die Kommenden Jahre


Anforderungen des BSI IT-Grundschutz++ den Regelungen des EU KI-Omnibus und dess Digital-Omnibus


Vereinfachung – Digitalpaket und -omnibus (Stellungnahme Armin Müller als EU-Bürger)


Der Digital Omnibus führt zahlreiche neue oder geänderte Bestimmungen ein, die ohne ergänzende Leitlinien zu erheblicher Rechtsunsicherheit führen können. Diese Aufstellung (s. Anlage) identifiziert kritische Bereiche, in denen die Kommission zeitnah Leitlinien erlassen sollte


Phase 1a: Parallele Konsultationsphase (jetzt bis Februar 2026)

Beide für das Reallabor relevanten Konsultationen laufen aktuell. Das ermöglicht eine koordinierte Analyse und Stellungnahme.

Backlog-Aktivitäten:

  • Analyse des Sandbox-Durchführungsakt-Entwurfs (Frist 13. Januar 2026)
  • Analyse des Digital-Omnibus-Entwurfs, insbesondere der KI-Omnibus-Komponente (Frist 22. Februar 2026)
  • Identifikation von Wechselwirkungen zwischen beiden Rechtsakten
  • Optional: Koordinierte Stellungnahmen im Rahmen beider Konsultationen

 

Besondere Relevanz des Digital Omnibus für das Reallabor:

Die Umsetzung der Vorschriften für Hochrisiko-KI-Systeme, ursprünglich für August 2026 vorgesehen, soll um maximal 16 Monate verschoben werden. Die Pflichten für Hochrisiko-KI treten erst in Kraft, nachdem die Kommission bestätigt, dass angemessene Compliance-Unterstützung verfügbar ist, etwa durch entsprechende Standards. Das bedeutet konkret:

  • Pflichten für Hochrisiko-KI nach Anhang III: 6 Monate nach Bestätigung
  • Pflichten für Hochrisiko-KI nach Anhang I: 12 Monate nach Bestätigung
  • Backstop-Fristen unabhängig von Compliance-Unterstützung: 2. Dezember 2027 (Anhang III) und 2. August 2028 (Anhang I)

Backlog-Status: dual-consultation – beide Entwürfe werden parallel analysiert.

Phase 1b: Post-Konsultation Sandbox (Mitte Januar bis Verabschiedung Sandbox-Akt)

Nach Ablauf der Sandbox-Konsultation am 13. Januar 2026.

Backlog-Aktivitäten:

  • Monitoring der Kommissionsarbeit am Sandbox-Durchführungsakt
  • Fortsetzung der Digital-Omnibus-Analyse bis 22. Februar

Backlog-Status Sandbox-Items: awaiting-final

Phase 1c: Post-Konsultation Digital Omnibus (ab Ende Februar 2026)

Nach Ablauf der Digital-Omnibus-Konsultation am 22. Februar 2026.

Backlog-Aktivitäten:

  • Monitoring beider Gesetzgebungsverfahren
  • Die EU-Gesetzgeber erwarten einen engen Zeitplan für die Verhandlungen, insbesondere für die gezielten Änderungen des KI-Gesetzes, die vor August 2026 abgeschlossen werden sollen, wenn die Mehrheit der KI-VO-Bestimmungen anwendbar wird. Passle
  • Vorbereitung auf mögliche Fristenverschiebungen durch den Digital Omnibus

Backlog-Status aller regulatorischen Items: awaiting-final

Phase 2: Spezifikation nach Verabschiedungen (voraussichtlich Q2 2026)

Die Verabschiedung beider Rechtsakte wird voraussichtlich gestaffelt erfolgen.

Backlog-Aktivitäten:

  • Delta-Analyse für jeden verabschiedeten Rechtsakt
  • Konsolidierung der Anforderungen unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen
  • Anpassung der Zeitplanung basierend auf den finalen Fristen

Kritischer Aspekt: Nach Verabschiedung tritt der Digital Omnibus fast unmittelbar in Kraft (am dritten Tag nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt).

Phase 3: Implementierungsvorlauf (angepasst an finale Fristen)

Die ursprüngliche Annahme eines festen August-2026-Ziels für Hochrisiko-KI muss ggf. revidiert werden:

Szenario Sandbox-Einrichtung Hochrisiko-KI-Pflichten
Ohne Digital Omnibus bis 2. August 2026 ab 2. August 2026
Mit Digital Omnibus bis 2. August 2026 frühestens 6 Monate nach Compliance-Bestätigung, spätestens Dez 2027 / Aug 2028

Für das Reallabor bedeutet das: Die Sandbox-Infrastruktur bleibt auf August 2026 ausgerichtet, während die Compliance-Anforderungen für getestete Hochrisiko-KI-Systeme möglicherweise später greifen.

Phase 4: Operative Anwendung (ab August 2026, mit Anpassungen)

Der Sandbox-Betrieb kann wie geplant starten. Die Dokumentations- und Konformitätsbewertungspflichten für im Sandbox getestete Systeme richten sich nach den dann geltenden Fristen.

Backlog-Statuswerte

Status Bedeutung Anwendung
dual-consultation Beide relevanten Entwürfe in Konsultation jetzt bis Feb 2026
awaiting-final Warten auf Verabschiedung nach Konsultationsende
specified-deferred Finalisiert, Umsetzung wartet auf Fristbeginn nach Verabschiedung
active In Umsetzung Implementierungsphase
omnibus-contingent Abhängig vom Ausgang der Omnibus-Verhandlungen für fristenbezogene Items

Anm.:

Nächste Aktualisierung empfohlen: nach Ablauf der Sandbox-Konsultation

Quellen: EU-Kommission, digital-strategy.ec.europa.eu; Konsultationsportal ec.europa.eu/info/law/better-regulation