Maßnahmenliste für den Schutz eines KI‑Reallabors
1. Governance & Organisation
- Einrichtung eines Security Steering Boards (CISO, KI‑Leitung, Datenschutz, IT‑Ops, Forschung).
- Definition klarer Rollen und Verantwortlichkeiten für KI‑Sicherheit.
- Einführung verbindlicher Sicherheitsrichtlinien für Daten, Modelle, APIs und Veröffentlichungen.
- Aufbau eines Incident‑Response‑Plans speziell für KI‑Systeme (inkl. Modellkompromittierung).
- Durchführung regelmäßiger Red‑Team‑Übungen mit Fokus auf KI‑spezifische Angriffe.
(Informationsquellen: BSI: IT‑Grundschutz-Kompendium (Baustein ORP.3, OPS.1), ENISA: AI Threat Landscape 2023, NIST: AI Risk Management Framework (AI RMF))
2. Identitäts- & Zugriffsmanagement
- Einführung von Zero Trust als Grundprinzip.
- Verpflichtende Multi‑Faktor‑Authentifizierung (Hardware‑Token bevorzugt).
- Least‑Privilege‑Zugriffsmodell für alle Systeme, Daten und Modelle.
- Regelmäßige Rezertifizierung aller Zugriffsrechte.
- Einsatz von Privileged Access Workstations (PAW) für kritische Tätigkeiten.
(Informationsquellen: NIST SP 800‑207: Zero Trust Architecture, BSI: Orientierungshilfe Zero Trust, Microsoft: Zero Trust Maturity Model)
3. Netzwerk- & Infrastrukturhärtung
- Strikte Segmentierung von Entwicklungs-, Test- und Produktionsumgebungen.
- Isolierte Hochsicherheitszonen für Trainingsdaten und Modellgewichte.
- Durchsetzung von Transport- und Ruhende‑Verschlüsselung (TLS 1.3, AES‑256).
- Einsatz von Intrusion Detection/Prevention (auch KI‑gestützt).
- Regelmäßige Patch‑Zyklen und automatisierte Schwachstellenscans.
(Informationsquellen: BSI: IT‑Grundschutz-Kompendium (NET, SYS, OPS), NIST SP 800‑53: Security and Privacy Controls, ENISA: Good Practices for Security of AI)
4. KI‑spezifische Sicherheitsmaßnahmen
- Schutz vor Data Poisoning durch kontrollierte Datenimporte, Whitelisting und Datenvalidierung.
- Schutz vor Model Extraction durch Rate Limiting, Authentifizierung und Monitoring.
- Schutz vor Prompt Injection durch Input‑Sanitization und Output‑Filter.
- Versionierung und Integritätsprüfung aller Modelle (Hashing, Signaturen).
- Durchführung von Adversarial Robustness Tests vor jedem Deployment.
- Einrichtung eines Model Security Dashboards zur Überwachung von Abfragen, Anomalien und Missbrauch.
(Informationsquellen: ENISA: AI Cybersecurity Challenges, NIST: Adversarial Machine Learning Taxonomy, MITRE: ATLAS – Adversarial Threat Landscape for AI Systems, ISO/IEC 23894: AI Risk Management)
5. Software‑ und Supply‑Chain‑Sicherheit
- Nutzung von Software Bill of Materials (SBOM) für alle Komponenten.
- Verifikation aller Bibliotheken, Container und Modelle (Signaturen, Hashes).
- Einsatz von Dependency Scanning und automatisierten Sicherheitsprüfungen in CI/CD.
- Verbot nicht geprüfter Open‑Source‑Modelle oder -Datenquellen.
- Regelmäßige Überprüfung externer Dienstleister und Cloud‑Provider.
(Informationsquellen: NIST SP 800‑161: Supply Chain Risk Management, US Executive Order 14028: Improving the Nation’s Cybersecurity (SBOM‑Pflicht), OWASP: Software Component Verification Standard)
6. Sichere Entwicklungs- & Testprozesse
- Einführung eines Secure‑by‑Design‑Frameworks für KI‑Projekte.
- Code‑Reviews mit Fokus auf KI‑APIs, Datenpipelines und Modelllogik.
- Nutzung isolierter Sandbox‑Umgebungen für Experimente.
- Logging aller Trainings- und Deployment‑Prozesse.
- Automatisierte Tests auf Bias, Robustheit und Sicherheit.
(Informationsquellen: OWASP: Machine Learning Security Top 10, BSI: Secure Software Development Lifecycle (SSDLC), NIST SP 800‑218: Secure Software Development Framework (SSDF))
7. Schutz vor Social Engineering
- Regelmäßige Awareness‑Trainings mit realistischen Szenarien (Phishing, Deepfakes, Spear‑Phishing).
- Einführung eines Verifizierungsprotokolls für sensible Anfragen (z. B. Modellzugriff).
- Simulierte Angriffe zur Überprüfung der Resilienz.
- Klare Meldewege für verdächtige Aktivitäten.
(Informationsquellen: BSI: Social Engineering – Angriffsmethoden und Schutzmaßnahmen, ENISA: Cybersecurity Culture Guidelines, SANS Institute: Security Awareness Program Maturity Model)
8. Monitoring & Incident Response
- Echtzeit‑Monitoring aller KI‑APIs, Datenflüsse und Modellabfragen.
- Einsatz von Anomalieerkennung für ungewöhnliche Nutzungsmuster.
- Einrichtung eines Security Operations Center (SOC) oder Anbindung an ein bestehendes.
- Playbooks für:
- Datenlecks
- Modellmanipulation
- API‑Missbrauch
- Supply‑Chain‑Angriffe
- Regelmäßige Post‑Incident‑Analysen und Lessons Learned.
(Informationsquellen: BSI: Lageberichte und CERT-Bund Empfehlungen, NIST SP 800‑61: Computer Security Incident Handling Guide, MITRE ATT&CK & MITRE ATLAS Frameworks)
9. Resilienz & Wiederherstellung
- Backups von:
- Trainingsdaten
- Modellgewichten
- Pipelines
- Konfigurationen
- Getrennte, gehärtete Backup‑Infrastruktur.
- Wiederanlaufpläne für kritische KI‑Dienste.
- Notfallstrategie für kompromittierte Modelle (Rollback, Neu‑Training).
(Informationsquellen: BSI: IT‑Grundschutz – Notfallmanagement (CON), ISO 22301: Business Continuity Management, NIST SP 800‑34: Contingency Planning Guide)
10. Kooperation & Austausch
- Teilnahme an CERT‑Netzwerken (CERT‑Bund, Landes‑CERTs).
- Austausch mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Sicherheitscommunities.
- Nutzung aktueller Threat‑Intelligence‑Feeds.
- Aufbau eines internen KI‑Sicherheitsforums für kontinuierlichen Wissenstransfer.
(Informationsquellen: CERT‑Bund / BSI: Warnungen & Lageinformationen, ENISA: Threat Intelligence Sharing Guidelines, Europäische KI‑Forschungsnetzwerke (z. B. CLAIRE, ELLIS))